| | Was mit einer Vision vor einem Jahr und dem zweiten entscheidenden Kick-Off-Meeting im vergangenen September (!) im Klösterlichen Tibet-Institut in Rikon/Schweiz begann, entwickelte sich unter der Federführung von Sesto G. Castagnoli am 1. World Spirit Forum in Arosa vom 18. bis 20. Januar 2004 zu einem ernstzunehmenden Hoffnungsträger für alle Kräfte, die die Sehnsucht nach einer Welt, die nachhaltiger, sicherer, friedlicher ist, in sich tragen und konkret an einer gemeinschaftlichen Perspektive mitwirken wollen. Die Sorge um den "Blauen Planeten", dem Peter Grieder, Kurator des Tibet-Instituts, die Eröffnungsansprache widmete, die Sorge um die Raubrittermethoden verschiedener Wirtschaftskonzerne (und natürlich der Verantwortlichen im Hintergrund), die Sorge um die Überbetonung des Materiellen und die Vernachlässigung der Menschlichkeit in einer Welt, in der "täglich mehr als 45'000 Menschen, davon 38'000 Kinder, verhungern, 80'000 Hektar Regenwald zerstört, volle 13 Millionen Tonnen giftiger Chemikalien in unsere Umwelt entlassen und mehr als 130 Pflanzen- und Tierarten durch menschliches Handeln zerstört werden." (Thom Hartmann in "Der ausgebrannte Planet")
Dass die Krise, in der sich die Welt heute befindet, mit einer Höchstdosis von Bewusstheit, Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit zu einem positiven Durchbruch anstelle von einem heillosen Chaos führen kann, sind sich alle 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Forums einig. Wenn genügend Menschen ihre Sicht der Dinge ändern, dann werden Lösungen für ein nachhaltiges Wachstum – energiesparend, wassersparend, klimaschonend – erkennbar, das sich weltweit zugunsten aller auswirken wird. Diese "herzzerreissende und geradezu beängstigende Krise von planetarischem Ausmass betrifft alles Aspekte unseres Daseins, vom Persönlichen über das Soziale bis hin zu weltweiten Zusammenhängen", und hat ihre Wurzeln im verloren gegangenen Bezug zur Natur, zur Eingebundenheit mit der Mitwelt, zum Weltgeist. "Ethik ist Ehrfurcht vor dem Leben" (Albert Schweitzer) – die Verbindung von "Ethik und Wirtschaft" das Überthema des 1. Forums, das geprägt war von der Vielseitigkeit der Redner - und der wenigen Rednerinnen – wie auch von der Viel- und Tiefschichtigkeit der Themen: Prof. Dr. Ervin Laszlo, u.a. Gründer des Club of Budapest, wies erneut und mit Nachdruck darauf hin, dass sich die Wirtschaft aus langfristigem Eigeninteresse heraus einem Paradigmawechsel möglichst rasch öffnen müsse, um den bevorstehenden (oder laufenden) gravierenden Wandlungsprozess lebenserhaltend zu beeinflussen. Dafür sei eine Entschleunigung und die "Magie der Stille", wie Ralph Wilms seinen Workshop nannte, notwendig: "In der Klarheit und Stille eines ruhigen Geistes gibt es Raum für alles, was geschieht und was geschehen mag. Wenn der Lärm und das Drängen der Welt von uns abfällt, erkennen wir die Tiefendimension des Augenblicks, die Magie der Stille." Die afrikanische Medizinfrau Sobonfu Somé provozierte mit Gedanken über die "Rebellion der Jugend", Stephan Mögle-Stadel funktionierte das Plenum raffiniert in eine grosse Aufstellungsarbeit zu "Weltwirtschaftsmacht & Menschheitsethik – als Manifestation des Weltgeistes" um, Prof. Dr. Maximilian Gege rüttelte mit seiner Vision einer sofort anwendbaren und nachhaltig wirksamen Zukunftsanleihe auf, der ehemalige Musikunternehmer Hans Jecklin beschwor in seinem Referat die "Kraft des Herzens" und der Schweizer Nobelpreisträger für Chemie, Prof. Dr. Richard Ernst, rief auf zu einem Wandel von einer "Freien Markt-Ökonomie" zu einer "Verantwortlichen Markt-Ökonomie." In 28 Vorträgen, Round-Table- und Podiumsgesprächen sowie Workshops wurde deutlich, dass die Devise nicht anklagen heisst, sondern die eigene Wahrnehmung zu schärfen, diese mit offenem Herzen zu prüfen, und entsprechend eigenverantwortlich und glaubwürdig zu handeln. Eben nicht nur Denk- sondern vor allem auch konkrete Handlungsansätze dazu lieferte auch Ervin Laszlo, nachzulesen in seinem ermutigenden Handbuch "You Can Change The World" (in Deutsch mit englischem Originaltitel).
"Mut zur ungeschminkten persönlichen Meinungsäusserung zu allen möglichen Themen ist von grösster Bedeutung und wichtiger als das Vermeiden von Fehlern." ist ein Leitsatz von Richard Ernst, der auch für die Durchführung dieses ersten WSF-Kongresses die Basis bildete. Trotz – oder vielmehr dank ... - einer extrem kurzen Vorbereitungszeit von weniger als einem halben Jahr zeigte das Meeting auf, zu welcher Leistung ein mutiges und hochmotiviertes Team fähig ist. Mit dem nachfolgenden Credo fasste das OK seine Auffassung der Zielrichtung der Veranstaltung zusammen:
"Das WSF World Spirit Forum vereint Globalisierung und Individualität. Es ist eine Plattform, um
- Menschen und deren Organisationen weltweit zu vernetzen,
- Lösungen für eine bessere Zukunft zu finden, die von Liebe und Respekt getragen sind, und
- an einem globalen Gleichgewicht zwischen Wirtschaft, Natur und Gesellschaft in Würde und Achtsamkeit nachhaltig mitzuwirken.
Unser Ziel ist es, positiven Fortschritt anzustossen, den Ball ins Rollen zu bringen, in der Überzeugung, dass unsere Projekte eine globale Unterstützung gewinnen und eine Kettenreaktion der Veränderung bewirken werden."
Der verheissungsvolle Start, der geprägt war von einer herzlichen Stimmung und hoher geistiger Offenheit, legte den Grundstock für ein jährliches Forum in Arosa, das harmonisch wachsen soll. Gemeinsam zu grösserem Verständnis der Zusammenhänge von Wirtschaft und Ethik zu gelangen und neue nachhaltige Denk- und Handlungsansätze zu implementieren bedingt eine Rückbesinnung und Entschleunigung des eigenen Lebens. Oder um es in den Worten von Ghandi zu sagen: "Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst!"
Andreas B. Müller | |